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Hans-Peter KrämerGM –  Herr Krämer, nach dem „Hallengipfel“ im Gummersbacher Rathaus am 23. März war von einem Scheitern des Hallenprojektes die Rede, für das Sie – direkt oder indirekt – verantwortlich gemacht wurden.

 

Dies wurde an der vermeintlich gescheiterten öffentlichen Förderung des Hallen-Neubaus festgemacht. De facto ist aber nichts gescheitert. Diesen und weitere Sachverhalte habe ich auch in einem offenen Brief an Bürgermeister Helmenstein klar gestellt.

 

Interview Quelle: VfL Gummersbach / Foto: Agentur NTOi.de 

 

Im Kern bestehen die Vorwürfe gegen Sie darin, ein Finanzierungskonzept verprochen zu haben, dass Sie aber in der Sitzung im Rathaus nicht vorweisen konnten. Im November 2006 haben die Stadt und die VfL Handball Gummersbach GmbH verabredet, dass ich mich um die öffentliche Finanzierung kümmern soll. Im Dezember und Januar war ich dazu aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage. Danach habe ich innerhalb von sechs Wochen in der Vorbereitung auf den Gummersbacher Termin intensive Sondierungsgespräche mit Entscheidungsträgern der Sportpolitik geführt. Niemand würde sich anmaßen, in einer solch kurzen Zeit ein vollständiges und seriöses Finanzierungskonzept auf die Beine zu stellen. Ich habe auch keinen konkreten Termin dafür in Aussicht gestellt. Wer das erwartet hat, ist kein Kenner der komplizierten Materie.

 

Auf welchen Ebenen haben Sie die genannten Gespräche geführt? Als Vizepräsident des DOSB (Anm.: Deutscher Olympischer Sport-Bund) habe ich das Thema mit dem dortigen Referenten für Sportstättenbau erörtert, denn die öffentliche Förderung auf Bundesebene setzt ein modifiziertes Nachwuchskonzept des DHB voraus, auf das ein positives Gutachten des DOSB folgen würde. Dieses könnte übrigens auch Wege für eventuelle Finanzierungen an anderen Standorten eröffnen, und man könnte auch prüfen, ob möglicherweise Geld aus europäischen Töpfen bereitgestellt wird. Der entsprechende Antrag kann aus rechtlichen Gründen nur vom VfL Gummersbach e.V. gestellt werden, nicht von der VfL Handball Gummersbach GmbH.

 

Mit dem Innenministerium haben Sie auch gesprochen? Ja, ich habe auch dort unter anderem wegen unserer gemeinsamen Tätigkeiten in der Sportstiftung NRW gute Kontake zum Innenminister, Herrn Wolf, und den für den Sport zuständigen Stellen. Das Innenministerium ist grundsätzlich bereit, eine Finanzierung in Gummersbach wohlwollend zu prüfen, genau so, wie das in Lemgo gemacht wurde.

 

Welches Modell läge hierbei zu Grunde? Es wurde, wohlgemerkt nicht seitens des VfL, immer eine Multifunktionshalle ins Gespräch gebracht. Die hiermit verbundenen Kosten von 15 bis 16 Mio. Euro wären auf jeden Fall zu hoch, das ist eine Tatsache. Uns würde eine gute Sporthalle mit zeitgemäßer Ausstattung reichen. Darüber habe ich auch mit Jan Tuik, Vorstandsmitglied Spielbetrieb der EHF, Gespräche geführt. Herr Tuik hat zum Beispiel die neue Halle in Celje, die, wovon wir uns selbst überzeugen konnten, hervorragend ist, beratend begleitet. Seine Meinung, die das Innenministerium NRW teilt, ist, dass man auch in Deutschland bei einer Kapazität von 5000 Zuschauern mit Kosten unter 10 Mio. Euro auskommen kann.

 

Warum kommt das Projekt in Gummersbach nicht voran? Die Stadt hat mindestens sechs Jahre alleine schon für eine politische Willenserklärung gebraucht, nie ist etwas aus der Halle geworden. In der Stadt Gummersbach ist ein Widerstand zu spüren, der mich allmählich müde macht. Den Bürgermeister Frank Helmenstein nehme ich dabei aber ausdrücklich aus.

 

Wie geht es jetzt weiter? Ich muss betonen, und ich sage das seit Jahren, dass der VfL Gummersbach in seiner Heimat Spitzenhandball spielen soll. Nur ist die Eugen-Haas-Halle sportlich und wirtschaftlich nicht mehr tragbar. Es wäre fahrlässig von uns, keine Alternativen oder Interimslösungen bis zu dem Zeitpunkt, wo es in Gummersbach weiter geht, zu prüfen. Denkbar wäre zum Beispiel die kleine Variante der Kölnarena mit abgehängtem Oberrang für rund 8.000 Zuschauer.

 


 

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06 1403 · 07 3 · # Samstag, 16. Dezember 2017