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Pressemitteilung/Interview des VfL Gummesbach!

 

  • Herr Krämer, Sie waren einige Tage in Norddeutschland haben Sie Sich gut erholt?

Entgegen anders lautenden Berichten habe ich mich nicht zur Erholung in Norddeutschland aufgehalten, ich hatte zwei Aufsichtsratssitzungen und habe die Zeit dazwischen genutzt, um in aller Ruhe wichtige Aufgaben beim VfL Gummersbach vorzubereiten. Auch die Sponsorenakquise spielte dabei eine wichtige Rolle. Und um das ebenfalls klarzustellen: die Aufsichtsratssitzung beim VfL Gummersbach wurde auch nicht wegen meines Aufenthaltes in Norddeutschland verschoben, sondern weil ich an dem ursprünglichen Termin wegen eines grippalen Infektes verhindert war.

 

 

  • Wie stellt sich aktuell die wirtschaftliche Situation der VfL Handball Gummersbach GmbH dar?

Durch zwei unvorhersehbare Ereignisse ist der VfL Anfang des Jahres mit einer größeren finanziellen Lücke für die aktuelle Saison konfrontiert worden. Dies waren die Insolvenz eines Premium-Partners und vorübergehende Zahlungsschwierigkeiten eines weiteren Premium-Sponsors. Diese Lücke konnte ich, auch mit Unterstützung von Stefan Hecker, bereits zu zwei Dritteln schließen, was in den letzten Wochen eine meiner vordringlichsten Aufgaben beim VfL Gummersbach war. Es ist schließlich kein Kinderspiel, mitten in einer Saison eine Lücke im hohen sechsstelligen Bereich zu schließen. Die restliche Deckung dieser Lücke werden wir innerhalb der nächsten drei Wochen geklärt haben, sodass ich meine Anstrengungen für den VfL auf weitere sehr wichtige Themen konzentrieren kann. Der Schließung der Etat-Lücke musste oberste Priorität eingeräumt werden auch, wenn selbstverständlich weitere wichtige Entscheidungen anstehen.

 

 

  • Wie beurteilen sie den Stand im sportlichen Bereich?

Wir sind dem Saisonziel, einen Platz in der Champions League zu erreichen, unverändert nah, und mit etwas Glück hätten wir dieses Jahr in der Champions League noch weiter kommen können dies hätte uns nach dem totalen Umbruch niemand zugetraut. Das verdanken wir einzig und alleine Alfred Gislason.

 

 

  • Wie ist der derzeitige wirtschaftliche Planungsstand für die Saison 2007/08?

Der Etat, insbesondere der Spieleretat, ist auf dem Niveau der laufenden Saison bereits jetzt gedeckt. Und dies, obwohl uns mit ISE und TUI zwei große Premium-Sponsoren für die neue Saison fehlen. Das liegt zum einen daran, dass wir zwei neue Premium-Partner im unteren sechsstelligen Bereich für die neue Saison gewonnen haben. Des Weiteren ist es Stefan Hecker gelungen, den Business-Club und auch das Feld weiterer Sponsoren im mittleren Segment massiv auszubauen.

 

 

  • Im Februar haben Sie angekündigt, bald einen neuen großen Sponsor vermelden zu können.

Und das war damals in der Tat der Stand der Dinge. Nur ergab sich kurze Zeit später, dass das betreffende Unternehmen beschloss, seinen Börsengang zu verschieben. So wurden wir gebeten, die entsprechenden strukturellen Modifikationen beim designierten Sponsor noch abzuwarten. Ich gehe davon aus, dass dieses Unternehmen in den nächsten Jahren zum Kreis der großen Partner des VfL stoßen wird.

Zudem laufen zurzeit eine ganze Reihe von Gesprächen auf höchster Ebene für einen weiteren sehr großen Premium-Partner beim VfL Gummersbach, der das frei werdende Sponsoring-Paket der TUI sehr gut ausfüllen könnte. Und ich bin auch mehr als zuversichtlich, dass wir diesen Partner für die neue Saison gewinnen können.

In aller Deutlichkeit möchte ich aber an dieser Stelle nochmals darauf hinweisen, dass wir denselben Spieleretat wie in dieser Saison für die kommende Spielzeit auch ohne diesen Partner schon gesichert haben. Dies ist auch insofern wichtig, da Stefan Hecker und ich bei Alfred Gislason im Wort stehen, bestimmte Voraussetzungen zu erfüllen. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass wir einen Trainer wie Alfred Gislason und Leistungsträger in der Mannschaft auf Dauer halten könnten, wenn die Rahmenbedingungen und damit die sportlichen Ziele nach unten korrigiert werden müssen. Es wird darauf ankommen, dass alle, die beim VfL in der Verantwortung stehen, dazu beitragen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern, um die Mannschaft zu halten und noch zu verstärken.

 

 

  • Ist es denn zu diesem Zeitpunkt der Saison noch realistisch, einen Premium-Partner in der Größenordnung von TUI zu finden?

Ja, absolut. Lassen Sie mich die Situationen vergleichen: Als wir vor drei Jahren mit der TUI verhandelt haben, wurde der Vertrag erst Ende Mai unterzeichnet. Wir führen zurzeit wesentlich mehr Gespräche mit potenziellen Sponsoren dieser Kategorie, als es damals der Fall war.

Der VfL Gummersbach gehört zu den ersten Adressen im Handballsport. Gerade im Bereich Sponsoring wirken sich hier die Faktoren Bekanntheitsgrad (Anm. d. Red.: Der VfL Gummersbach ist nach Umfragen der bekannteste Handballverein in Deutschland) und die Plattform Kölnarena besonders positiv aus. So ist es auch zu erklären, dass wir es geschafft haben, bezogen auf die Sponsoringeinnahmen zur Spitze aller Bundesligavereine zu gehören. Eine weitere Steigerung der Sponsoringeinnahmen ist daher im Bereich der Premium-Partner auch nur schwer möglich. Allerdings müssen wir, um weiter konkurrenzfähig zu bleiben, die Zuschauereinnahmen mittel- und langfristig steigern, denn in diesem Punkt sind wir im Vergleich mit den anderen Bundesligisten auch bedingt durch unsere Rahmenbedingungen allenfalls im Mittelfeld angesiedelt.

 

 

  • Wie setzt sich der Etat des VfL für die nächste Saison zusammen?

Der VfL Gummersbach rechnet bei der Etatplanung mit ca. 3,5 bis 3,8 Millionen Euro im Bereich Sponsoring, wovon zurzeit 3,0 Millionen Euro gesichert sind. Wir versuchen, unser Ziel eines Gesamtetats von 5,0 Millionen Euro zu erreichen, der Rest über das Sponsoring hinaus sind Zuschauer- und sonstige Einnahmen. Die Zuschauereinnahmen sollen in der kommenden Saison eine noch größere Rolle spielen als bisher.

 

 

  • Wie sehen die Kader-Planungen für die nächste Saison aus?

Abschließend kann man diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantworten. Auf folgenden Positionen sind die Planungen aber abgeschlossen, beziehungsweise ist der VfL Gummersbach sehr gut aufgestellt: Torhüter, Linksaußen, Rechtsaußen und Kreis.

Im rechten Rückraum haben wir Alvanos und noch einen Vertrag mit Zakharov, der in dieser Saison verletzungsbedingt fast komplett ausgefallen ist. Ob er in der nächsten Saison die Erwartungen, die an in gestellt werden erfüllt, bleibt abzuwarten. In diesem Zusammenhang steht aber auch die Verpflichtung des Rechtsaußen Roman Pungartnik, der ja auch auf der halbrechten Position zu Hause ist und so sicher zu vielen Spielanteilen auch im Rückraum kommen wird. Für die Saison 2008/09 soll es auf der rechten Rückraumposition allerdings einen hochkarätigen Neuzugang geben. Die Planungen und Gespräche hierfür laufen bereits.

 

 

  • Es stellt sich die Frage nach den beiden verbleibenden Rückraumpositionen, also Halblinks und Mitte.

Ja, und hier haben wir noch unsere größte Baustelle. Von vier Spielern, abgesehen von möglichen Ergänzungs- oder Jugendspielern, die wir für diese Positionen eingeplant haben, steht erst einer fest: Momir Ilic auf Rückraum links. Für die Position des zweiten Mittelmannes, auf der jetzt noch Houlet eingesprungen ist, bin ich sehr zuversichtlich, dass Stefan Hecker innerhalb der nächsten zwei Wochen Vollzug vermelden kann.

 

 

  • Im Blickpunkt steht in erster Linie aber das Thema Daniel Narcisse.

Auch das ist richtig, und hier drehen wir uns seit Monaten im Kreis. Wir haben vor einem Jahr, ca. sechs Monate vor Ablauf der Frist, laut Vertrag unsere Option auf Verlängerung gezogen. Bei dieser Option handelt es sich um eine einseitige Option für den VfL Gummersbach, die damals, da wir ja auch Ablöse für Narcisse bezahlen mussten, im Vertrag festgehalten wurde. Wir haben die Rechtsgültigkeit dieser Option zuvor noch einmal explizit von unserem Anwalt, Andreas Thiel, prüfen lassen, und er hat sie für einwandfrei befunden.

 

 

  • Sie sagten vor ein paar Wochen: “Narcisse bleibt und basta!”

Mir, beziehungsweise dem VfL, bleibt ja auch keine andere Wahl, als das so festzustellen. Mit dieser Aussage untermauern wir verbindlich unseren Anspruch. Natürlich ist uns auch bewusst, dass wir Daniel nicht in Ketten legen können, wenn er gehen will. Allerdings ist es in solchen Fällen üblich, dass man sich auf eine Ablöse einigt oder der Spieler sich selber aus seinem Vertrag herauskauft eine im Sport übliche Vorgehensweise. Um ein diesbezügliches Prozedere zu besprechen, haben Francois-Xavier Houlet und ich mich im März mit den Vereinsvertretern von Chambéry in Genf getroffen. Allerdings beharrt Chambéry auf seinen Standpunkt, auch einen gültigen Vertrag mit Narcisse zu haben und ist dementsprechend nicht gewillt, eine Ablöse zu bezahlen. Zurzeit deutet leider alles auf einen Rechtsstreit hin, an dem allerdings keiner der beteiligten Parteien, den Clubs und Daniel Narcisse, gelegen sein kann.

 

 

  • Wie geht es konkret weiter?

Wir werden Daniel beziehungsweise Chambéry in diesen Wochen unsere konkreten Vorstellungen über eine Ablösesumme nennen. Sollte auf diese Forderung nicht eingegangen werden, werden wir auf unseren Vertrag pochen, und somit gilt dann wieder die Aussage: “Narcisse bleibt und basta!”

Wobei man hinzufügen muss, dass es hier ums Prinzip der rechtlichen Verbindlichkeit von Spielerverträgen geht. Wir können in diesem Punkt nicht nachgeben sonst könnte man in Zukunft gänzlich auf Verträge verzichten.

Diese Umstände verhindern momentan, dass wir auf dieser Position Planungssicherheit bekommen. Denn es ist ja nicht auszuschließen, dass weder Chambéry noch Daniel uns eine Ablöse bezahlen können oder wollen und Daniel sich dann eben doch noch überlegt, den Vertrag bei uns zu erfüllen.

 

 

  • Kann man denn überhaupt noch bis zur Klärung warten, um sportlich zu planen?

Nein. Und das ist sicher einer der Hintergedanken von Chambéry. Es ist wie beim Pokerspiel: Entweder der jenige, der am besten blufft, oder der jenige, der die besseren Karten hat, gewinnt. Und wir setzen auf die besseren Karten. Der Spieleretat inklusive Narcisse ist, wie bereits erwähnt, gedeckt, allerdings noch ohne Reserveposition. An der wollen und werden wir in den nächsten Wochen arbeiten und dann auch unverzüglich Nägel mit Köpfen in Form von Spielerverpflichtungen machen.

 

 

  • Wo trägt der VfL Gummersbach in der nächsten Saison seine Heimspiele aus?

Wir prüfen in diesen Tagen gemeinsam mit unserem Partner Kölnarena sehr sorgfältig die Option, 2007/08 alle Bundesligaspiele in der Kölnarena auszutragen.

 

 

  • Wie kommt es zu solchen Überlegungen?

Wie bereits erwähnt, liegt eine unsere Möglichkeiten den Etat weiter auszubauen und auf eine breitere Basis zu stellen in der Steigerung der Zuschauereinnahmen. In der Eugen-Haas-Halle ist dies nicht möglich. Sogar das Gegenteil ist der Fall, wenn man sich auf die reinen Zuschauereinnahmen fokussiert. Schon jetzt bereitet es uns große Probleme, in der Eugen-Haas-Halle noch vernünftige Sitzplätze für neue Sponsoren zu finden. Durch diese in naher Zukunft ca. 700 Sponsorenkarten sowie die treuen Dauerkartenkunden würden wir bald nur noch Karten der Preisgruppen 4 und 6 für die einzelnen Spiele anbieten können. Selbst bei einer zwar vollen aber nicht im eigentlichen Sinne ausverkauften Eugen-Haas-Halle hätten wir dann nur Tageseinnahmen von ca. 5.000 Euro für die Bundesliga viel zu wenig. Zudem ist es uns nicht möglich, die Anzahl der Dauerkarten, und die Nachfrage gerade für gute Plätze ist vorhanden, weiter zu steigern. In diesem Punkt haben wir bereits jetzt einen klaren Wettbewerbsnachteil gegenüber fast allen anderen Vereinen in der Handball-Bundesliga. Die meisten Vereine in der oberen Tabellenhälfte können bis zu 100.000 Euro pro Heimspiel einnehmen, beziehungsweise haben sie wesentlich höhere Verkaufszahlen im Bereich der Dauerkarten.

Über den Sachverhalt, dass die Eugen-Haas-Halle unter den heutigen Gesichtspunkten alles andere als bundesligatauglich ist, gibt es ja auch keine Diskussionen, in diesem Punkt sind sich in Gummersbach alle einig. Daher brauche ich an dieser Stelle nicht auf die ganze Vielzahl weiterer Mängel wie TV-Tauglichkeit, Sponsoren-Betreuung etc. näher einzugehen.

 

 

  • Heißt das, der VfL zieht ganz nach Köln?

Nein, der einzige Unterschied zu heute wäre, dass die Mannschaft sieben bis acht Mal öfter als bisher in den Bus einsteigt, um in Köln ein Spiel auszutragen. Die Mannschaft würde weiterhin in Gummersbach trainieren und die Spieler größtenteils dort wohnen, wie auch die Geschäftsstelle dort bleibt. Der Lebensmittelpunkt des VfL Gummersbach ist und bleibt Gummersbach. Zudem könnten einzelne Spiele, wie etwa Pokalspiele, in Gummersbach stattfinden. Übrigens freue ich mich, an dieser Stelle mitteilen zu können, dass es endlich nach Jahren wieder eine richtige Saison-Eröffnung mit Vorstellung der Mannschaft und einem Testspiel in Gummersbach geben wird.

 

 

  • Überlegt der VfL seinen Namen zu ändern, wenn alle Bundesligaspiele in Köln ausgetragen würden?

Definitiv nein! Das würde auch überhaupt keinen Sinn machen, selbst aus Marketing-Gesichtspunkten sprechen alle Argumente dagegen. Wer eine Namensänderung ernsthaft erwägt, sollte wie im Wilden Westen geteert und gefedert aus der Stadt getrieben werden. Der VfL Gummersbach ist und bleibt der VfL Gummersbach, wo immer er auch seine Heimspiele austrägt.

 

 

  • Wäre eine Rückkehr nach Gummersbach ausgeschlossen?

Nein, keineswegs, wir werden weiterhin versuchen, zusammen mit der Stadt Gummersbach einen Hallenbau in Gummersbach zu realisieren. Sollte sich dieser, in welcher Form auch immer, verwirklichen lassen, würde der VfL fünf bis sechs Topspiele in der Kölnarena austragen und alle weiteren Spiele in einer neuen Halle in Gummersbach. Wir bekennen uns ganz klar zum Standort Gummersbach und werden die Bestrebungen nie aufgeben, eine Halle in Gummersbach zu realisieren. (Anm.: Siehe hierzu auch Interview das Krämer-Interview vom 10.04.2007)

 

 

  • Ist es nicht ein großes wirtschaftliches Risiko, alle Bundesligaspiele in Köln auszutragen?

Wenn man alle Spiele zu den bisherigen Konditionen austragen würde: mit Sicherheit. Bisher mietet der VfL Gummersbach die Kölnarena für seine Spiele komplett an. Wir diskutieren zurzeit mit der Kölnarena folgendes Modell:

Der VfL trägt fünf bis sechs Topspiele zu den gleichen Konditionen wie bisher in der Kölnarena aus. Die Eintrittspreise würden für diese Top-Spiele den heutigen Kölnarena-Preisen bei VfL-Spielen entsprechen. Für alle weiteren Bundesligaspiele in der Kölnarena gäbe es einen mehrstufigen Verteilerschlüssel der Zuschauereinnahmen zwischen der Kölnarena und dem VfL. Für diese Spiele müsste der VfL keine direkte Miete bezahlen. Zudem würde nur der Unterrang der Kölnarena geöffnet. Der Unterrang der Kölnarena hat inklusive der Logen und des Backstage-Restaurants ein Fassungsvermögen von ca. 8.000 bis 9.000 Plätzen. Der Oberrang der Kölnarena würde, wie auch bei der “Lachenden Kölnarena” und vielen weiteren Veranstaltungen, verhängt und damit optisch verschwinden. Die Eintrittspreise für diese Spiele würden sich an denen in der Eugen-Haas-Halle orientieren. Es würde also keine Erhöhung der Eintrittspreise in der Gesamtheit geben, und auch die Dauerkartenpreise blieben konstant.

Aber es würden mit Sicherheit nicht zu jedem Spiel 15.000 Zuschauer kommen.

Bei den Top-Spielen wäre die Kölnarena mit Sicherheit auch weiterhin sehr voll. Bei den anderen Spielen würden wir im Durchschnitt mit 5.000 bis 6.000 Zuschauern kalkulieren wohlgemerkt, im Durchschnitt. Wir würden sicher auch mal ein Spiel vor 4.000 Zuschauern erleben. Aber selbst dies würde unsere Zuschauerzahlen im Vergleich zu bisherigen Spielen in der Eugen-Haas-Halle nahezu verdoppeln.

 

 

  • In wie weit wäre hiermit das Ziel erreicht, mehr Zuschauereinnahmen zu erzielen?

Durch die Steigerungsmöglichkeiten im Dauerkartenbereich und der Tageseinnahmen könnten wir hier mittelfristig bis zu 400.000 Euro mehr als bisher einnehmen.

Ich bin überzeugt, dass es sich bei diesem Plan um die beste Alternative handelt, bis eine Halle in Gummersbach realisiert ist. Nur so können wir weiter wettbewerbsfähig bleiben.

 

 

  • Sind die Kosten unabhängig von der Miete bei Spielen in der Kölnarena nicht wesentlich höher als in Gummersbach?

Nein, es gibt sogar einzelne Punkte mit Einsparungspotenzial. So müssten der Boden sowie die vielen Werbebanden nicht immer von Gummersbach nach Köln und zurück transportiert werden, auch würde die Security von der Kölnarena gestellt um nur einige Beispiele zu nennen. In der Gesamtheit halten sich die Kosten aber die Waage, das heißt, wir hätten für die weiteren Spiele in Köln keine höheren Kosten. Besonderheiten wie das Fan-TV und den Einlauf des VfL würden wir bei den nicht als Top-Spiel deklarierten Partien versuchen über Sponsoren zu realisieren oder gegebenenfalls reduzieren.

 

 

  • Welche Meinung hat die Mannschaft in dieser Frage?

In den Gesprächen, die ich mit einzelnen Spielern und dem Trainer geführt habe, wurde das “Kölner Modell” durchweg positiv aufgenommen.

 

 

  • Es wurde berichtet, dass Sie einen Nachfolger als Vorsitzender des Aufsichtsrates suchen.

Es ist ein ganz selbstverständlicher Vorgang, dass Führungskräfte in meinem Alter sich frühzeitig Gedanken um eine Nachfolge machen und dementsprechend den Markt sondieren, um nach Möglichkeit einen fließenden Übergang einzuleiten. Man sollte auch den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden nicht überbewerten. Wenn alle an einem Strang ziehen, kann man die Verantwortung auf eine breitere Basis stellen. Außerdem werde ich auf jeden Fall als Vorsitzender im VfL Handball Gummersbach Freunde und Förderer e.V., der 74,8 Prozent der Besitzanteile der VfL Handball Gummersbach GmbH, also der Profi-Mannschaft, hält, bleiben und mich weiterhin im bisherigen Maße vor allen Dingen bei der Suche und Betreuung von Sponsoren einbringen.

 

 

  • Es gab Berichte über Meinungsverschiedenheiten im Aufsichtsrat der VfL Handball Gummersbach GmbH.

Auch unter erwachsenen Männern gibt es schon mal Meinungsverschiedenheiten. Die müssen aber konstruktiv ausgetragen werden. Es ist immens wichtig, dass nicht nur Stefan Hecker und ich helfen, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Gummersbacher Profi-Handball zu verbessern. Der VfL Gummersbach hat, und dieses Ziel haben wir alle gemeinsam schon vor Jahren definiert, nur als Spitzenverein Perspektive. Als graue Maus hätten wir keine Zukunft. Nur müssen auch alle die verabredeten sportlichen Ziele unterstützen.

 

 

  • Welche Gefühlslage herrscht bei Ihrer Arbeit für den VfL vor Lust oder Frust?

Wenn ich keine große Lust auf den VfL Gummersbach hätte, würde ich mich hier nicht in diesem Maße engagieren, ich habe es schlicht und einfach nicht nötig, ich arbeite ja schließlich noch in weiteren Positionen mit hoher Verantwortung.

Das Schöne, wenn man im Sport eine Mannschaft aufbaut, ist dass man in Form von Siegen und dem Erfolg insgesamt oft genug belohnt wird und sich mit dem gesamten Team und den Tausenden von Fans freuen kann. Die Arbeit im Sport bedeutet aber auch, dass viele Faktoren einfach nicht kalkulierbar sind, dass man auch mit Niederlagen leben muss. Anfänglich gab es in einigen Situationen gelegentlich “Frust”, wenn Neider oder Kritiker mit Äußerungen hervortraten, ohne aber selbst Verantwortung übernehmen zu wollen. Im Sport hat man schnell Situationen, in denen Kritiker alles Erreichte kaputt reden wollen. Der Sport ist im Positiven wie im Negativen eine sehr lebendige Welt.

Aber ich habe während meiner beruflichen Laufbahn, unter anderem als Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln mit ihren über 4.000 Angestellten, vielfältige Herausforderungen erlebt und mich ihnen gestellt in erfolgreicher Teamarbeit mit allen Mitarbeitern. Die Verantwortung gegenüber einem großen Namen wie dem VfL Gummersbach ist etwas anders gelagert, aber auch sehr hoch, und unter den genannten Voraussetzungen werden wir den VfL immer weiter aufbauen. Hierbei setze ich voraus, dass die Handballwelt und die Fans einen VfL Gummersbach wollen, der auch seinem großen Namen gerecht wird. Dabei kann von Frust keine Rede sein, sondern nur von Problemen und Lösungen. An all dem arbeiten wir, und das macht selbstverständlich Spaß.

 


 

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06 1165 · 07 3 · # Sonntag, 10. Dezember 2017