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Der Spieler des Tages, der für den VfL die Tür zur Champions League öffnete, hieß Momir Ilic. Der Mann, der im letzten Sommer mit Vedran Zrnic vom slowenischen Spitzenklub RK Gorenje Velenje nach Gummersbach gekommen war, machte am Ende einer unglaublich harten Saison sein vielleicht bestes Spiel.  Fotos: VfL Gummersbach

 

Minden – Zwölf Sekunden vor dem Ende übernahm der Nationalspieler von Serbien/Montenegro wie so oft an diesem Nachmittag Verantwortung und hämmerte den Ball aus acht Meter mit einem Schlagwurf ins Netz. Malic Besirevic, der Mindener Torwart, der bis dahin mit achtzehn Paraden eine überragende Leistung geboten hatte war machtlos beim 15. Tor von Momir Ilic, der sich bei dieser phänomenalen Quote nur zwei Fehlversuche geleistet hatte. Minden ging in der restlichen Spielzeit kein Risiko mehr ein, hielt den Ball nur noch in den eigenen Reihen und so feierten nach der Sirene alle 3500 Besucher in der Kampahalle dieses Unentschieden wie den Gewinn eines Titels.

 

Die Ostwestfalen jubelten über den Klassenerhalt, die zahlreichen Gummersbacher Fans über die erneute Qualifikation zur Königsklasse, die jetzt greifbar nahe ist. Es fehlt am letzten Spieltag in der Kölnarena am kommenden Samstag nur noch ein Heimsieg über die HSG Düsseldorf, denn gegenüber dem direkten Konkurrenten HSG Nordhorn, der beim THW Kiel antreten muss, dokumentiert die aktuelle Tabelle ein um 24 Tore besseres Torverhältnis.

 

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Dabei hatte es noch zehn Minuten vor dem Ende gar nicht gut ausgesehen für den VfL. Minden führte mit 29:24 und hatte fünfzig Minuten lang eindrucksvoll seine Heimstärke bewiesen. Die Gummersbacher gingen jetzt aber volles Risiko, mobilisierten die letzten Kräfte und legten in der Abwehr noch einen Zahn zu. Nandor Fazekas hielt zwei ganz wichtige Bälle, nachdem beide Gummersbacher Torhüter zuvor nicht die Quote ihres Gegenübers erreichen konnten.

 

Noch einmal liefen die Gegenstöße wie in besten Tagen, wie in Trance funktionierte auch die Schnelle Mitte. Minden wehrte sich, führte noch mit 29:27 und 31:29. Nach dem 31:31 hätte fast der Isländer den VfL erlegt, den Alfred Gislason bei der jüngsten Nominierung für seine Nationalmannschaft nicht berücksichtigt hatte: Einar Örn Jonsson krönte damit eine starke Vorstellung und wurde aber noch von einem Landsmann übertroffen, denn Spielmacher Snorri Gudjonsson, der Minden in Richtung Dänemark verlässt, verabschiedete an diesem dramatischen Nachmittag mit 13 Treffern aus der Kampahalle.

 

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Dass die Gummersbacher überhaupt in diese Situation geraten waren, hatten sie selbst in der ersten Halbzeit verursacht. Nach einem konzentrierten Beginn und ständigen Führungen über 0:2 und 2:4 zum 4:7 (11.) wurden viele gute Chancen nach Gegenstößen nicht verwertet und auch Siebenmeter vergeben. Mit der Pressdeckung für Daniel Narcisse wurde der Spielaufbau zudem erheblich gestört, der VfL verstrickte sich fortan in Einzelaktionen. Minden setzte sich ab, legte bis zur Pause zwei Tore vor und kam auch in der zweiten Hälfte besser in Tritt.

 

Die Hektik und Nervosität nahm zu, auf beiden Seiten hagelte es Zeitstrafen. Von 22:21 (36.) bauten die Gastgeber ihren Vorsprung über 26:22 (46.) und 28:23 auf 29:24 (51.) aus, ehe der VfL wie erwähnt noch einmal den Turbo einlegte. Neben Momir Ilic, der jetzt 196 Saisontore auf seinem Konto hat, war wieder vor allem auf Gudjon Valur Sigurdsson in diesem Endspiel Verlass. Der isländische Linksaußen warf acht Tore und schraubte damit seine persönliche Bilanz auf 211 Treffer. Das bedeutet zwar nur Platz drei im Kampf um die Torjägerkanone, doch 207 Feldtoren ist”Goggi” in der besten Handballliga der Welt einsame Spitze.

 

Alfred Gislason (VfL Gummersbach): Ich bin wahnsinnig stolz auf meine Mannschaft, der ich ein Riesenkompliment machen muss. Das war eine unglaubliche Energieleistung, im 48. Pflichtspiel am Ende einer langen und harten Saison noch einmal ein Spiel in den letzten zehn Minuten umzubiegen. Minden war genau der starke Gegner, mit dem gerechnet hatten. Wir haben streckenweise nach der Manndeckung gegen Daniel Narcisse nicht optimal gespielt, aber alle haben gut gekämpft. Momir Ilic hat mit seinen fünfzehn Toren heute natürlich eine super Leistung gezeigt.

 

In der ersten Halbzeit hatten wir nicht nur zu viele Gegenstöße und Siebenmeter ausgelassen. Unsere rechte Angriffsseite war leider lahmgelegt. Vedran Zrnic hatte große Schmerzen an seinem verletzten Bein, Michael Spatz war nicht fit und hatte Schwindelanfälle. Minden konnte sich auch absetzen, weil sie mit Besirevic und seinen 18 Paraden die wesentliche bessere Quote hatten.

 

In den letzten vier Minuten hat aber Nandor Fazekas noch einmal alles aus sich herausgeholt und mit seinen Paraden den Weg zum Unentschieden geebnet. Wir haben voll auf Risiko gesetzt. Die Abwehr steigerte sich und so konnten wir noch einmal unser schnelles Angriffsspiel aufziehen. Ich bin erleichtert, dass Kiel verloren hat und so am letzten Spieltag gegen Nordhorn gewinnen muss. Mit unserem besseren Torverhältnis werden wir uns die Champions League jetzt in der Kölnarena nicht mehr nehmen lassen.

 

Infos zum Spiel: Schiedsrichter: Hagen Becker, Axel Hack Zuschauer: 3.200 Siebenmeter: 5/5 – 6/8 Strafminuten: 14 – 14 Minuten

 

Torschützen: VfL Momir Ilic 15 Tore, Gudjon Valur Sigurdsson 6 Tore, Alexandros Alvanos 3 Tore, Vedran Zrnic 3 Tore, Robert Gunnarsson 3 Tore, Daniel Narcisse 2 Tore

 

Torhüter – gehaltene Bälle Goran Stojanovic 4 Paraden, Nandor Fazekas 3 Paraden

 

Text+ Fotos: VfL Gummersbach

 


 

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06 961 · 07 3 · # Dienstag, 12. Dezember 2017