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Offener Brief von Christian Milling & Bernd Frinken von Radio 700 – Das Europaradio aus Euskirchen

 

Euskirchen-Kuchenheim –   Liebe Hörerinnen und Hörer von Radio 700, liebe Freunde, Förderer und Partner, zunächst möchten wir uns bei Ihnen für die langjährige Treue herzlich bedanken. Als wir vor 5 Jahren, am 08.07.2002 um 10 Uhr morgens das erste Mal mit Radio 700 auf Sendung gegangen sind, war uns nicht klar, dass dieser Sender über das Jahr 2002 hinaus senden sollte.

 

Wir sind damals als Stadtradio zur 700 Jahr Feier der Stadt Euskirchen gestartet und haben im Jahr 2002 mehrmals auf der UKW Frequenz 92,0 MHz aus unserem Studio in Euskirchen-Kuchenheim und dem gläsernen Studio in der Euskirchener City ein attraktives lokales Radio gesendet. Aufgrund der großen Resonanz bei unseren Hörern auf das Musik- und Wortprogramm haben wir im Januar 2003 beschlossen, eine dauerhafte Sendelizenz bei der Landesanstalt für Medien in Düsseldorf zu beantragen.

 

Recht frustriert nach mehreren Monaten Nichtstun der Medienbehörde und Aussagen damaliger politisch Verantwortlicher in die Richtung „Ist mir egal was im Gesetz steht, bei mir gibt es das nicht“ zogen wir den Antrag in Nordrhein-Westfalen zurück. Im Sinne der Hörer war das Handeln der Politiker wie so oft sicherlich nicht, darum machten wir in Baden-Württemberg einen zweiten Anlauf und erhielten die Sendelizenz nach wenigen Wochen völlig problemlos. Nun hatten wir ihn also, den „Führerschein“, der uns berechtigt zu senden – fehlt also nur noch das Auto. Dieses Auto (in Form von UKW-Frequenzen) bleibt aber nahezu allen potentiellen Radioanbietern, die keinem Verlag angehören, politisch nur schwer steuerbar sind und den Platzhirschen gefährlich werden können, insbesondere in Nordrhein-Westfalen, verwehrt.

 

Was also blieb war zunächst der Weg ins Internet. Man kann sich vorstellen, dass ein lokales Internetradio aus Euskirchen für Euskirchen aufgrund der technischen Verhältnisse – nur ein kleiner Teil der Euskirchener konnte und kann einen ausreichend schnellen Internetbreitbandzugang erhalten – äußerst unattraktiv ist. Man hätte jeden Hörer persönlich begrüßen können. Daher entschlossen wir uns, das Programm international auszurichten.

 

Lokal- oder Regionalradios gibt es in nahezu jeder Stadt, auch bundesweiten Rundfunk kennt man seit geraumer Zeit. Aber ein europäisches Radio in der Form war ein Novum. Schließlich wird in unseren Nachbarländern auch teilweise oder komplett Deutsch gesprochen. Warum also kein Radio für Deutschland, Österreich, Liechtenstein, die Schweiz, Südtirol, das Elsass, Nordschleswig, Luxembourg und die deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien? Nicht zu vergessen die deutschsprachigen Minderheiten und Residenten in der ganzen Welt, die man mit solch einem Programm erreichen würde. Obwohl wir alle die gleiche Sprache sprechen, wissen wir doch teilweise recht wenig von unseren Nachbarn.

 

In der Theorie klingt das Konzept einfach – die Realität hat uns aber doch das ein oder andere Mal recht schnell eingeholt. Aber der Reihe nach. Um ein ordentliches Informationsangebot im Programm zu haben braucht es Nachrichten – am besten aus allen europäischen Ländern. Angefangen hat es mit einer Kooperation des Deutschlandfunks der uns seit Anfang an mit Nachrichten versorgt. Während der letzten Jahre wurden nach und nach die Kooperationen mit anderen Rundfunkanstalten in Europa ausgebaut.

 

milling.jpgZunächst wurden 3x täglich die Nachrichten vom Nordschleswiger aus Apenrade in Dänemark ins Radio 700 Programm integriert, gefolgt von Radio Schweden aus Stockholm, Radio France aus Paris, Radio Prag und Radio Vatikan.

 

In diesem Jahr kamen noch Radio RAI International aus Rom dazu, sowie Radio Slowenien und Radio Filia Griechenland, wobei letztere noch nicht bei Radio 700 zu hören sind, hier hapert es einfach an der technischen Umsetzung.

 

All diese Stationen sind Auslandsdienste, die ihre deutschsprachigen Programme meist über Kurzwelle in die Welt senden um über die aktuelle Nachrichtenlage in der Welt und den eigenen Ländern aus eigener Sicht zu berichten. Fällt Ihnen auch etwas auf? Genau: in keinem Land unserer bisherigen Partner ist Deutsch eine Amtssprache.

 

Aber was ist mit Nachrichten aus Belgien, der Schweiz, Österreich und Liechtenstein, werden Sie sich sicherlich fragen. Wir uns auch. Aber verschiedene Gründe gibt es, warum unsere direkten Nachbarn (noch) nicht mit Nachrichtensendungen bei Radio 700 zu hören sind. Teilweise sind es rechtliche Bedenken der Programmanbieter, teilweise die Entscheidung der Geschäftsführungen gegen eine Kooperation – was auch daran liegen mag, dass keines dieser Länder einen originären Hörfunkauslandsdienst mehr ausstrahlt sondern nur Inlandsrundfunk betreibt.

 

frinken.jpgMehr noch als Informationen ist Musik der wichtigste Einschaltgrund für Hörer bei einem Radioprogramm. Seit Anfang an setzt Radio 700 auf eine ausgewogene Mischung zwischen bekannten Hits und unbekannten Perlen. Wir haben uns ausdrücklich gegen eine Kopie der bisherigen Hitradios ausgesprochen und auch in punkto Musikauswahl einen europäischen Weg gewählt.

 

Die Musikauswahl wird geprägt von europäischen Popmusikproduktionen seit den 60er Jahren bis heute (Chansons, Schlager, Canzoni, Skandinavischer Pop etc.).

 

Stündlich gibt es einen Titel aus Europa in der jeweiligen Landessprache. Für die gute Unterhaltung im Programm sorgen Moderatorinnen und Moderatoren aus mittlerweile 5 Ländern (Deutschland, Schweiz, Österreich, Frankreich und Norwegen). Alles ehrenamtliche Kräfte, die einen Grossteil Ihrer Freizeit opfern, damit Sie zuhause am Radio oder PC gut durch den Tag unterhalten werden. Einige sind seit 2002 dabei, andere waren früher Hörer des Programms und bieten jetzt durch Ihre aktive Teilnahme am Programm einen weiteren Anreiz Radio 700 zu hören.

 

Sollten Sie sich jetzt auch angesprochen fühlen, und denken Radio 700 sollte aber noch einen schwedischen/italienischen/finnischen/spanischen etc. Touch bekommen, freuen wir uns auf Interessenten, die aktiv „Ihr“ Land im Radio 700 Programm repräsentieren wollen, sei es durch Musikvorstellung, Moderation oder redaktioneller Arbeit. Ein tägliches, 24stündiges Hörfunkprogramm will nicht nur produziert, sondern auch bezahlt werden. Da wir keine klassische Hörfunkwerbung senden, finanzieren wir uns ausschließlich aus Spenden und Sponsoring.

 

Einige glückliche Umstände in den letzten Jahren haben uns dazu verholfen, dass wir das Radio 700 Programm kostengünstig gestalten und produzieren können. Zum einen sind wir seit Anfang an in den Räumlichkeiten des Vereins Funkhaus Euskirchen e.V. untergebracht, so dass die technische Infrastruktur in weiten Teilen für die Ausstrahlung eines Hörfunkprogramms bereits vorhanden war, zum zweiten senden wir mit der Profi-Software „DABiS800“ der Schweizer Firma SOHARD AG, die weite Teile des Programms automatisch abwickeln kann. Darüber hinaus werden wir von vielen Einzelpersonen und Firmen entweder unmittelbar finanziell oder durch technisches oder persönliches Engagement unterstützt.

 

Leider ist der Gesetzgeber in Nordrhein-Westfalen auf dem besten Weg, nicht nur die Meinungs- und Pressefreiheit stark einzuschränken, sondern durch das neue Landesmediengesetz wird unser bürgerliches Engagement durch Entzug der nötigen Finanzmittel nahezu zerstört. Trotz aller Versuche, Radio 700 entweder durch gezielte Maßnahmen oder durch allgemeine Beseitigung von Strukturen an seiner weiteren Entwicklung zu hindern, ist es uns bisher immer gelungen, mit Ihnen, liebe Freunde, Förderer, Partner und natürlich Hörerinnen und Hörer, fehlende Finanzmittel durch Engagement und Kreativität auszugleichen.

 

Schließlich hilft gegen Engagement und Kreativität der Bürger weder ein Gesetz noch der Missbrauch von Behörden zur Durchsetzung des „politischen Willens“ einzelner. Wir hoffen daher, mit Ihnen zusammen auch die gegenwärtige Situation zu meistern, so dass wir uns in spätestens 5 Jahren wieder in einem Brief wieder lesen.

 

Arbeiten Sie mit an einem Stück Europa – von Bürgern für Bürger. Wir freuen uns, auf Ihre Ideen und Unterstützung, denn nur so haben wir gemeinsam die Chance uns „kennen-(und)-zu-lernen“ und gemeinsam den europäischen Gedanken in die Welt zu tragen.


http://www.radio700.eu/

 

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06 2651 · 07 4 · # Montag, 18. Dezember 2017