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„Wir haben eine komplettere Mannschaft als letzte Saison“ – Zouzou, wie hast du dich im neuen Job als Sportdirektor eingelebt? Houlet: Sehr gut! Ich bin jetzt seit sechs Wochen auf der Geschäftsstelle. Alles läuft prima, ich habe viel zu tun, auch schon vor dem Start der Liga. Ich habe wirklich Spaß an der Arbeit, das ist genau mein Ding.

 

Welche Tätigkeiten stehen an erster Stelle? Houlet: Ich war schon viel unterwegs und habe noch viel vor. In enger Zusammenarbeit mit Alfred arbeite ich an einer langfristigen Strategie, mit der wir etwas erreichen und Kontinuität schaffen können. Und Alfred will, dass ich eng bei der Mannschaft bin und mit auf der Bank sitze, also fahre ich überall mit hin.

 

Wie sieht diese Strategie aus? Houlet: Es geht darum, über die laufende Saison hinaus zu arbeiten, Dinge vorzubereiten. So habe ich in Richtung Nachwuchs viel Kontakt mit der Gummersbacher Akademie, und in Richtung Profi-Geschäft betreibe ich internationales Scouting für die Zukunft. Mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung von Momir Ilic, Vedran Zrnic und Goran Stojanovic haben wir schon einen wichtigen Schritt gemacht.

 

Zur aktuellen Saison – Alfred, wie ist aus deiner Sicht die Saisonvorbereitung gelaufen? Gislason: Eigentlich gut, bis auf die Behinderung durch die vielen Verletzten. Einige haben ihre Probleme lange mitgeschleppt, wie Gunnarsson, Sigurdsson und Zrnic. Ich hoffe natürlich, dass sie nach ihren Operationen endlich ohne Beschwerden spielen können.

 

In der letzten Saison mussten verletzungsbedingt drei Spieler temporär verpflichtet werden. Kann das jetzt auch noch vorkommen? Houlet: Ich habe gerade eine Aussage von Noka Serdarusic gelesen, er sagt, es hilft nichts, 20 Spieler mitzuschleppen, von denen zehn keine Leistung bringen. Wir versuchen von vornherein nur Spieler zu holen, die uns wirklich helfen können.

 

Gislason: Die Neuen dieses Jahr haben alle schon gezeigt, dass sie sehr wertvoll für uns sein können.

 

Houlet: Leider muss man trotzdem immer mit allem rechnen. Eigentlich hoffen wir, mit dieser Mannschaft durchspielen zu können, aber wir müssen zu jedem Zeitpunkt reaktionsfähig sein. Deshalb sehe und höre ich mich ständig um und bleibe überall in Kontakt.

 

Der Kader ist dieses Jahr breiter aufgestellt – vor allem im Rückraum. Gislason: Ja, wir können die Aufgaben noch besser verteilen, es sind vielseitige Leute dabei, die verschiedene Postionen im Angriff und in der Abwehr spielen können.

 

Es ist offensichtlich, dass Momir Ilic noch mehr Verantwortung übernehmen will, man sieht ihm an, wie hungrig er selbst ist, und wie engagiert er die Mitspieler einbezieht. Gislason: Momir hat sich ständig weiter entwickelt, das hat letzte Saison begonnen, und er wird immer besser. Er hat ganz bestimmte Aufgaben und kommt je nach Taktik auch als Mittelmann ins Spiel.

 

Houlet: Momir soll nicht Daniel Narcisse in seiner Rolle imitieren. Aber dass er eine echte Führungsposition neben Gudjon Valur Sigurdsson einnimmt, haben wir auch alle gemeinsam mit Gokir besprochen.

 

Natürliche Autorität als Führungsspieler beweist auch Roman Pungartnik. Gislason: Auf jeden Fall. Er kann beide Linkshänderpositionen, außen und halbrechts, spielen und war bis jetzt schon sehr gut, von Anfang an – es ist schon Klasse, was er macht. Dabei merkt man ihm sein Alter wirklich nicht an.

 

Zouzou, letzte Saison warst du selbst noch Mittelmann – wie denkst du über den aktuellen Rückraum? Houlet: Wir haben eine komplettere Mannschaft als letzte Saison, nur hat man das bis jetzt leider noch nicht sehen können, Oleg Kuleschow war ja unter anderem noch verhindert.

 

Geoffroy Krantz hat eine sehr gute Vorbereitung gespielt, Kenneth Klev braucht vielleicht noch ein bisschen länger, und Denis Zakharov fällt noch aus. Aber die Möglichkeiten haben wir. Natürlich muss sich die Mannschaft noch finden. Geoffroy Krantz zeigt ja eine spektakuläre Spielweise, dabei geht er keinem Zweikampf aus dem Weg und ist sehr beweglich… Houlet: Ja, er ist einfach ein Kraftpaket! Er macht viel Druck und spielt hart. Das wusste ich, ich habe ihn schon seit Jahren beobachtet. Bei uns hat er die taktischen Bewegungen schon gut verinnerlicht, er hat sich menschlich schnell integriert, spricht schon etwas deutsch, und er hat ein unglaubliches Potenzial, er kann sich als sehr schöne Überraschung in der Liga zeigen.

 

Gislason: Wenn Geoffroy sich weiter so entwickelt, wird er auch auf der internationalen Bühne als Mittelmann noch eine Menge Aufsehen erregen.

 

In der Vorbereitung sind junge Talente aus der Akademie eingesprungen. Weckt das zu hohe Erwartungen an die Jungs und die Nachwuchsarbeit? Gislason: Die haben sich alle bis jetzt schon gut gemacht. Aber gleich im ersten Jahr einen Sprung von vier bis fünf Spielkassen zu machen ist schon sehr schwierig. Sie brauchen alle noch Zeit, um richtige Bundesliga-Spieler zu werden.

 

Houlet: Man muss das Thema wirklich mit viel Ruhe verfolgen. Die vier sind ein Thema für die Zukunft, von der Regionalliga A-Jugend zur Bundesliga ist es ein risiger Schritt. Zuerst mal trainieren sie regelmäßig bei Alfred mit, davon profitieren sie enorm, und wir begleiten sie in ihrer Entwicklung, was sehr positiv ist.

 

Immerhin soll sich Stani Gorobtschuk beim Leichlinger TV schon in der Regionalliga bewähren. Gislason: Das ist für seinen Stand jetzt die richtige Herausforderung, aber er hat gezeigt, dass er es weiter nach oben schaffen kann, wenn er die Nerven behält.

 

Vom Tor zu Abwehr: Ihr habt schon geäußert, dass sie dieses Jahr wohl stabiler stehen wird. Houlet: Alle Neuzugänge können uns in der 6-0-Abwehr helfen, in der Deckung sollten wir tatsächlich besser stehen. Woran wir nach dem Abgang von Daniel Narcisse noch arbeiten müssen, was nicht so schnell nachzumachen ist, ist der schnelle Übergang von der Abwehr zum Angriff.

 

Gislason: Daran haben wir noch zu arbeiten, aber ich hoffe und glaube auch, dass wir durch die Neuzugänge, die alle Abwehr spielen können, hier noch kompakter werden.

 

Wie seht Ihr aufgrund der aktuellen Lage dem Saisonstart entgegen? Gislason: Die Heimspiele gegen Kronau und Flensburg sind natürlich sehr schwer, das sind beides auch Mannschaften, die unter die ersten vier wollen und zu den Titelfavoriten gehören. Auswärts haben wir vielleicht zuerst nicht die großen Namen, aber Minden, Lübbecke und Wilhelmshaven, das sind alles Mannschaften, die kämpfen können, und gegen die wir letztes Jahr zum Teil schon mit kompletter Mannschaft Schwierigkeiten hatten. Der Aufsteiger Berlin hat sich auch sehr gut verstärkt.

 

Aber da müsst Ihr durch, oder? Gislason: Klar, und wir haben ja auch letzte Saison einen guten Start gehabt, obwohl man das vorher so nicht voraussehen konnte. Wenn wir natürlich ohne den Stammlinksaußen Sigurdsson anfangen müssen, wird das auf jeden Fall sehr schwierig. Aber ich stecke mir – und die Spieler sich auch – immer hohe Ziele. Wir wollen wieder in die Champions League, und ich erwarte, dass wir auch so auftreten.

 

Houlet: Wenn wir oben mitspielen wollen, müssen wir zu Hause gewinnen und die „Pflichtsiege“ auswärts, so einfach ist das. Ein guter Start ist dabei unheimlich wichtig, wie wir letztes Jahr gesehen haben. Wir haben am Anfang sehr gut gespielt und wichtige Siege geholt, was dann nach hinten heraus alles einfacher gemacht hat.

 

Und was wünscht sich der Sportdirektor sonst noch in dieser Saison? Houlet: Dass es uns gelingt, aus den vielen Möglichkeiten im Umfeld noch mehr herauszuholen. Und mit den Spielen in Köln hoffe ich auch auf viele Fans und große Unterstützung.

 


 

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06 1077 · 07 2 · # Freitag, 8. Dezember 2017