Oberbergischer Kreis/Peking: Von Bruno Hünermund –   Bruno Hühnermund aus Bergneustadt berichtet von den Olympischen Spien 2008 aus ChinaDen Ausländern ist inzwischen auch die Möglichkeit für Lob und Kritik sowie eine Kommentierung und Abstimmung per Farbzettel gegeben.

Das einzige, was ich an diesen Spielen manchmal verblüffend finde, ist, dass völlig unerwartet und ohne Erklärung plötzlich U-Bahn Stationen geschlossen werden. Wenn man in Eile ist, hat man da ein Problemchen. Sehr gut dagegen ist, dass die vielen Menschen, die keine Zeit oder kein Geld für die Olympiade haben, auf den Monitoren in den U-Bahn Zügen an den Spielen teilhaben können. So etwas hatte ich bisher in keinem U-Bahn System der Welt so informativ erlebt.

Foto oben rechts: Bruno Hünermund aus Bergneustadt informiert unsere Leser von den Olympischen Spielen direkt aus China. Der ehemalige Lehrer ist zurzeit als freiwilliger Helfer und Übersetzter vor Ort. Foto: Christian Sasse [Foto+TV Agentur NTOi.de]

 

Als Putin mit Gattin bei der Eröffnungsveranstaltung und im Olympischen Dorf war, wirkte er frisch und munter. In den Tagen danach verschwand er völlig von der Bildfläche. Als er dann wieder auftauchte, wirkte er erschöpft und bedrückt und verließ China. Seit mehreren Tagen wissen wir natürlich alle hier, warum er so schnell nach Moskau zurückkehrte. Das Olympische Spiele China Beijing 2008 - Offizielles LogoErgebnis des Kaukasus-Konfliktes sind hier Diskussionen, ob man Russland die Olympischen Winterspiele in Sotschi entziehen soll. Als das IOC vor einem Jahr Sotschi den Zuschlag gab, wussten die alten Jungs im IOC doch genau, dass nur wenige Kilometer im Süden von Sotschi die Russen das abchasische Gebiet und seine Hauptstadt Batumi in Grund und Boden gebombt hatten.

 

Sotschi selbst hat weder Eishallen, noch Sprungschanzen. Sotschi hat nicht einmal einen schönen Sandstrand. Ich will dem subtropischen Städtchen mit seinen vielen Hotels und exotischen Baumalleen einen südländischen Charme natürlich nicht absprechen, aber ich habe in Sotschi noch nie eine Schneeflocke gesehen. Die drei Anfahrtswege zu den Schneegebieten sind steil, kurvenreich und nicht sehr breit. Sollte das IOC wirklich von den USA unter Druck geraten, da Georgien von den Amerikanern als ihr militärischer Brückenkopf betrachtet wird, so sollte unser Bürgermeister “Anton” den Hackenberg anbieten. Dort gibt es ebenfalls keinen Schnee, keinen Sandstrand, keine Eishallen und nur drei Zufahrtsstraßentrassen, die bei Frost und Regen morgens olympisches Fahrkönnen erfordern. Der Hackenberg hat also für eine Winter-Olympiade die gleichen idealen Voraussetzungen wie Sotschi. “Anton” muss sich nur 240 Briefumschläge besorgen und dann in einem abhörsicheren Raum mit den einzelnen Herren vom Kongo, Simbabwe, den Antillen u.s.w. sowie seinen 240 Briefumschlägen “Überzeugungsarbeit” leisten.

 

Die digitale Ausrüstung des hiesigen Verkehrssystems in unglaublich gut. Die Zuschauer olympischer Wettkämpfe brauchen mit der Rückseite ihrer Eintrittskarten nur im Gehen über eine bestimmte Stelle eines Lesegeräts zu streichen und die Schranken zur Bahn oder zum Bus öffnen sich. Allerdings sind diese Systeme für Europäer nicht so leicht durchschaubar, und die Szenen mit den unerfahrenen Olympiagästen an den chinesischen Automaten sind einfach Filmreif.

 

Seit der Eröffnungsfeier werden die chinesischen wie auch zahlreiche Gast-Journalisten nicht müde, mit viel Pathos zu erklären, dass , so wie der Fall der Berliner Mauer für Europa und den gesamten Globus eine neue politische Weltlage geschaffen hat, nach dieser Eröffnungsfeier und der fast perfekten Organisation der Wettkämpfe eine neue Sichtweise der Weltlage sich Bahn brechen wird. Wenn ich sehe, wie die Staatesmänner der Welt hier täglich dem Minister-Präsidenten Chinas “huldigen”, bin ich auch überzeugt, dass zumindest die Politik, die Wirtschaft, die Kunst sowie der Sport eine Neuausrichtung bzw. Korrektur ihrer Orientierung vornehmen werden.

 

Da der Medaillenspiegel für China zurzeit nicht sehr bedruckend aussieht, kommt sowohl auf den Sportkanälen wie in der Sportpresse künstlich eine zweite interessante Diskussion auf, ob China nun als große Macht oder als Supermacht des Sports zu bezeichnen ist. Interessant !!!

 

Je nach Sportart ist unter den Zuschauern das Zahlenverhältnis von Ausländern zu Chinesen unterschiedlich. Natürlich bemühen sich die einzelnen Fernsehkanäle, auch viele Gäste zu zeigen. Rechnet man die Stadien in den übrigen 6 Sport-Städten an der Ostküste mit, so liegt der Prozentsatz der Ausländer auf den Venues in meinen Augen unter einem Prozent. Zumindest in Tiansin ist es nicht einmal ein Promille.

 

Bei den Europäern herrscht hier der Eindruck, dass ihnen die Chinesen auf den Straßen sowie Wettkampfstätten und Geschäften mit großer Höflichkeit und einer gewissen Warmherzigkeit begegnen. Immer wieder beobachte ich in den Bahnen und Bussen, dass Menschen von ihren Plätzen aufstehen und dem Ausländer ihren Sitzplatz anbieten. So etwas habe ich auf keiner Olympiade bisher erlebt

 

Tibet wird hier im Hutong nie erwähnt, aber die Medien berichten auffallend häufig über Tibet. Dieses Gebiet wird ständig wie eine religiöse und kulturelle Wiege für China dargestellt.

 

Auf den Venues ist man verblüfft, wie die Chinesen sogar in Sportarten, die hier fast unbekannt sind, mächtig auftrumpfen, und diesen Sportarten durch Erfolge oder zumindest ansehnliche Teilerfolge zur Popularität verhelfen. Während Damen-Handball vor einer Woche noch links liegengelassen wurde, ist die Halle jetzt täglich dreimal voll.

 

Bruno Hünermund aus China für NEWS-Oberberg.de

 


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