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Oberbergischer Kreis/Peking: Von Bruno Hünermund – Bruno Hühnermund aus Bergneustadt berichtet von den Olympischen Spien 2008 aus ChinaDie großen Stimmungsmacher dieser Olympiade sind die “Brasilianos”, die in ausgelassen munter singenden und tanzenden Gruppen von Venue zu Venue ziehen. Stets als ungeordnete Groß-Gruppe haben sie die Sympathie der Pekinger. Allerdings überschreiten sie häufig leicht und manchmal auch ziemlich deutlich die festgelegten Ordnungsrahmen der Sportstätten. Wenn dann die Ordner und die Polizei sie etwas bremsen möchten, nehmen sie einfach die “Staatsgewalt” mit einigen Küssen in die Arme, tanzen und singen “Besame mucho”. Das macht die ordnenden Kräfte nicht nur sprachlich verlegen, denn welcher Staat hat schon eindeutige Anweisungen für die Handhabung von küssenden, dunkel- und hellhäutigen “Brasilianos” für seine Polizei in klare Paragraphen gefasst.

 

Foto oben rechts: Bruno Hünermund aus Bergneustadt informiert unsere Leser von den Olympischen Spielen direkt aus China. Der ehemalige Lehrer ist zurzeit als freiwilliger Helfer und Übersetzter vor Ort. Foto: Christian Sasse [Foto+TV Agentur NTOi.de]

 

Klare Anweisungen werden dagegen über die Großmonitore an die Zuschauer in den Wettkampfstätten gegeben. Zum Beispiel: “Klatschen” oder “Anfeuern”.

Ich bin immer wieder verblüfft über die Fairness der Zuschauer. Zwar feuern sie ihre eigenen Landsleute natürlich lautstark an, haben aber ein feines Gespür für die Olympische Spiele China Beijing 2008 - Offizielles Logounterschiedlichen Leistungsebenen. Von daher sind die hier aufkeimenden Forderungen nach Beurteilung der sportlichen Leistungen durch die Zuschauer verständlich. In allen Sportarten, in denen Grazie oder Ästhetik eine Rolle spielen, wird die Abwertung der Sportler aus schwächeren Ländern und das Überbewerten der Athleten aus starken (besonders finanzstarken) Nationen hier allmählich unangenehm. Besonders die Mädchen aus kleinen Nationen, die um diese Dinge natürlich auch wissen, können in ihren Augen ihre Niedergeschlagenheit vor Wettkampfbeginn oft nicht mehr verbergen. Schon wenn sie an den Start gehen, wirken sie deprimiert. Aber das habe ich in Salt Lake City und Turin ebenso beobachtet. 4) Sehr schön sind die kleinen Ideen am Rande. Wenn ein Wettkampf beginnt, wird zuerst allen Geburtstagskindern gratuliert und sie erhalten ein kleines Sträußchen. Wenn 40.000 bis 70.000 Fußball-Fans im Stadion dann “Happy Birthday” singen, ist das schon eine nette “Party”.

 

Die größten Probleme für die meisten Europäer sind die Sprach- und Orientierungsprobleme, für mich ist es die Notwendigkeit, meine Nudelsuppe mit den Stäbchen zügig zu essen, damit ich rechtzeitig mit den Schlitzies fertig bin.

 

Wie weit ist eigentlich unser Bürgermeister “Anton” mit seinen 240 Briefumschlägen? Bei der generellen Finanzlage der oberbergischen Gemeinden dürfte es doch ein Leichtes sein, abends nach Dienstschluss mal einige Milliarden aus der Stadtkasse diskret in 240 Couverts verschwinden zu lassen, — denn wie oft haben wir eine solch politische Weltsituation, dass unser “Anton” durch “sachliche Überzeugungsarbeit” mal Olympische Spiele auf den Hackenberg holen kann?

 

Dass die armen Volunteers dieser Spiele häufig überfragt sind, versteht man erst, wenn man weiß, dass sie täglich an anderer Stelle eingesetzt werden. Zwar ist ein Wechsel für diese Schüler und Studenten interessant, aber sie können sich auch nie richtig einarbeiten. Man merkt, dass die Chinesen auf den letzten Olympiaden immer mit Notizblock und Bleistift still zu zweit unterwegs waren und alles Positive und Negative notiert haben. Die Bewältigung und der Transport der Menschenmassen klappen hervorragend. Wenn morgens Hunderttausende gleichzeitig zu den um 9.OO Uhr beginnenden Wettkämpfen unterwegs sind, müssen die U-Bahnen unglaubliche Menschenmassen durch die Schleusen bewegen. Dieses Führen der Menschenmassen haben sie von den Amerikanern gelernt, die diese Systeme an ihren Stadien und Hochschulen seit den 5o-er Jahren entwickelt haben.

 

In Sydney und Athen habe ich mich immer gewundert, warum an den Computern der Rechenzentralen immer junge Chinesinnen saßen. Wenn man hier sieht, mit welcher Souveränität und fachlicher Kompetenz diese Schlitzi-Girlies auf den Computern herumhacken, bleibt einem der Atem stehen. Ich habe bisher erst einen Fehler auf einer Anzeigentafel erlebt. Das ist eine Leistung, da hier sehr viel “live” gearbeitet werden muss.

 

Das Vogelnest ist als National-Stadion natürlich der Zentralpunkt und das Ausstellungsstück dieser Spiele. Die Volunteers, die dort permanent eingesetzt worden sind, stellen die Creme de la creme der chinesischen Studenten dar, — und zwar in jeder Hinsicht.

 

Ein Faktum verblüfft mich seit dem ersten Tage hier: Die Chinesen haben die Biomechanik und die Fähigkeit weiterentwickelt, die Eigen-Physik der Geräte für ihre Sportler technisch auszunutzen. Das ist großartig!

 

In Sportarten, die sehr trainingsintensiv sind, kann man die meisten Athleten in 2 Gruppen einteilen: die, welche aus den Kaderschmieden des früheren Ostblocks schon verkauft sind, und die, welche noch nicht in andere Länder abgeworben wurden. Untereinander haben diese bunten Gruppen keine Verständigungsprobleme. Sie verstehen alle Russisch.

 

In ganz China scheint eine “Phelps-Phobie” zu herrschen. Der arme Kerl kommt weder ohne Probleme zum Schwimmen, – noch wieder nach Hause. Zu viele Menschen belagern die Ausgänge des Schwimm-Stadions, um ihn persönlich einmal zu sehen. Er verdrängt in der chinesischen Sport-Presse sogar die Lieblinge der Chinesen, ihre Pingpong -Boys.

 

Während die großen Sportnationen ihren Goldregen feiern, kommt bei vielen kleineren eine gerechtfertigte Verbitterung auf. Als der schwedische Ringer bei der Siegerehrung den Vertretern des IOC seine Bronze-Medaille vor die Füße warf, hatten viele volles Verständnis. Mit demselben Wertungstrick war ihm vor 4 Jahren Athen ebenfalls die Goldmedaille verweigert worden. Nicht nur die Schweden haben das Vertrauen in die Neutralität der Kampfrichter verloren. Als dann im Halbschwergewicht im Boxen der Chinese, der dauernd am Boden gelegen hatte, mit 8 zu 2 Punkten zum Sieger erklärt wurde, glaubten die Leute ihren Augen nicht. Und dann kam gestern im Einzel-Geräte-Finale der Höhepunkt. Niemand kann nachvollziehen, warum Shawn Johnsen die letzten Jahre so in den Wertungen am Schwebebalken gehoben wird. Ihre Sprungkraft bestreitet zwar niemand, aber wie diese Turnerin des amerikanischen Teams so an den Russinnen, Rumänien und Chinesinnen einfach vorbei geschoben wird, ist schon “olympisch”! Natürlich sind alle Leistungen der jungen Damen großartig, aber gemessen an der mit Super-C-Teilen gespickten Kür-Übung der Anna Pawlowa, der Chinesinnen oder der beiden Rumäninnen, war Shawn Johnsons Auftritt am Schwebebalken eher eine artig durch gehüpfte Gyymnastik-Übung. Den Mädchen aus Rumänien sah man schon vor dem Wettkampf an, dass sie bereits wussten, gleich wieder viermal heruntergewertet zu werden, damit die Amerikanerinnen Gold und Silber erhielten. Ich glaube, die armen Rumäninnen haben einfach zu wenig Dollar in der Schwarzkasse.

 

Da die internationale Presse seit Jahren nun gegen die Luft in Peking gewarnt hatte (übrigens: heute war wieder strahlend blauer Himmel), wurden sämtliche Produktionsfirmen für die Zeit der Olympiade geschlossen. Wie die Inder zogen viele andere Länder all ihr Personal ab und fliegen es am Abend nach der Schlussfeier wieder nach China, so dass die Produktion wieder aufgenommen werden kann.

 

Bruno Hünermund aus China für NEWS-Oberberg.de

 

 


 

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06 1639 · 07 2 · # Samstag, 9. Dezember 2017