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Manuel Charr traf zwar mit gut 15-minütiger Verspätung ein, aber immerhin – er war diesmal da. Anders als bei der ersten Pressekonferenz in Moskau, als er wegen eines fehlenden Visums nicht einreisen konnte, erschien der „Diamond Boy“ als Herausforderer von WBC-Weltmeister Vitali Klitschko am Dienstag zum offiziellen Medientermin in der russischen Metropole. Die rund 150 Journalisten, darunter allein 18 Kamerateams, begrüßte der 27-Jährige smart lächelnd mit typischer Usain-Bolt-Geste. Doch bevor er zu seinen wortreichen Ausführungen ansetzen konnte, erinnerte der ebenfalls anwesende WBC-Präsident Jose Suleiman daran, dass der bevorstehende Kampf am kommenden Samstag im Moskauer Sportkomplex Olympiski historischer Natur sei, „weil erstmals ein libanesisch-syrischer Boxer die Chance hat, Weltmeister zu werden.“ Fotos: RTL / Morris Mac Matzen

 

 


Danach hatten die beiden Trainer das Wort. Während Charr-Coach Valery Belov nur vorsichtig formulierte, man habe sich „große Mühe gegeben, um den Kampf gewinnen zu können“, wagte Meistertrainer Fritz Sdunek (Foto) eine klare Prognose: „Vitali wird vorzeitig gewinnen, durch K.O.“ Er erinnerte daran, dass er selbst einige Zeit lang Trainer Charrs gewesen sei. „Darum weiß ich, wie wir ihn zu packen haben, um den Kampf erfolgreich zu gestalten.“

 

 


Dann endlich war Manuel Charr an der Reihe. Artig lobte er zunächst die „sehr, sehr schöne Stadt Moskau“ und rühmte seinen Gegner als „den Stärksten der Welt.“ Er kenne Fritz Sdunek sehr gut“, konterte Charr dann die Bemerkungen seines Ex-Coaches, „ich kenne daher seine Stärken und Schwächen und weiß, wie er Vitali Klitschko taktisch aufgestellt hat. Ich habe mir Verstärkung durch den russischen Nationaltrainer Valery Belov geholt und wir haben gemeinsam eine sehr schöne Taktik gegen Herrn Klitschko erarbeitet. Und ich bin 1000-prozentig sicher, dass diese Taktik aufgehen wird. Ich werde neuer Weltmeister des WBC.“ Wie genau seine Taktik aussehen soll, verriet er im späteren Verlauf der wortreichen Pressekonferenz: „Mein Traumberuf war Koch, damit ich für jeden Gegner ein schönes Rezept parat habe. Zu meinem Rezept gegen Vitali Klitschko gehört ein schöner K.O.“ Als ihn ein russischer Journalist auf seine Vergangenheit ansprach und wissen wollte, warum er denn bereits in mehrmonatiger Untersuchungshaft gesessen habe, entgegnete Charr, über alte Wunden spreche man nicht. „Jeder Mensch macht Fehler. Das war die Erfahrung meines Lebens.“ Spätestens jetzt geriet Charr ins Philosophieren und zitierte zunächst Mahatma Ghandi, um seine Situation zu erläutern: „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich, und am Ende gewinnst du.“ An Fritz Sdunek gewandt, fügte er sogleich noch ein Zitat des amerikanischen Automobil-Industriellen Henry Ford hinzu: „Es gibt vielmehr Menschen die kapitulieren als solche, die scheitern. Wer nichts versucht, der hat schon verloren.“ Von diesen Leitsätzen beflügelt, werde er in Moskau Geschichte schreiben: „Ich habe noch jeden Kampf über Willen, Herz und Kampf gewonnen.“

 

 


Champion Klitschko, der die Pressekonferenz komplett in russischer Sprache bestritt, sagte, er freue sich, zum ersten Mal einen Kampf in Moskau zu bestreiten. „Ich weiß, dass diese Sportart in Russland sehr populär ist. Und ich weiß auch, dass es sehr viele Menschen hier gibt, die die Kämpfe der Klitschkos verfolgen.“ Sein Gegner Manuel Charr sei ein „Sportler der neuen Generation. Er ist jung, aggressiv und stark. Als Weltmeister darf ich es mir nicht erlauben, ihn zu unterschätzen. Ich habe ihn in den vergangenen Wochen sehr intensiv studiert. Und bis zum heutigen Tag habe ich nie einen Fehler beim Studium meiner Gegner gemacht.“ Auf die Nehmerqualitäten seines Kontrahenten angesprochen fügte der 41-Jährige hinzu: „Ich habe gehört, Manuel Charr ist eine harte Nuss. Kann die Eisenfaust diese Nuss am Samstag knacken? Warten wir’s ab.“

 

 


Auf seine sportliche Zukunft nach dem Moskau-Kampf wollte der WBC-Weltmeister, der bei den Wahlen in der Ukraine am 28. Oktober mit seiner Partei UDAR ins Parlament einziehen will, nicht direkt eingehen. Als er jedoch gefragt wurde, warum er jetzt in Moskau und nicht wie anfänglich erwartet in Kiew boxe, gab er eine mehrdeutige Antwort, die die Hoffnungen seiner Fans auf mindestens einen weiteren Klitschko-Kampf nährt: „Wir haben sehr viele Angebote bekommen, u.a. aus den USA und aus Deutschland, aber das Angebot aus Moskau war interessanter. Ich habe schon in vielen Städten geboxt, u.a. in New York, Los Angeles, Las Vegas, Hamburg, Bern und Breslau. Wir werden auch in der Ukraine boxen, das kann ich Ihnen versprechen. Wir arbeiten bereits daran.“

 

Quelle: RTL

 

 


 

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06 2435 · 07 2 · # Montag, 11. Dezember 2017