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Informationen des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR)

 

LVR-Volkskundler untersucht die Ursprünge des Martinsfestes / Seit 19. Jahrhundert Martinsfeuer und Gabenheischen Köln. 5. November 2007. Kinder in gruseligen Kostümen, die “Süßes oder Saures” fordern, und geschnitzte Kürbisse – Halloween scheint populär. Während diese Jahreszeit früher die Zeit der “Martinskinder” war, ziehen nun auch Kinder in Deutschland in Halloweenkostümen von Haus zu Haus.

 

“Die Martinskinder scheinen seit Ende der 1990er Jahre Konkurrenz durch die Kürbis-Kinder zu erhalten, die am Vorabend von Allerheiligen verkleidet von Haus zu Haus ziehen und `Süßes oder Saures´ fordern”, so Dr. Alois Döring, Volkskundler beim LVR. In seinem Buch “Rheinische Bräuche durch das Jahr” beschäftigt er sich sowohl mit neuen, als auch mit alten Bräuchen. “Das Martinsfest hat aber eine so fest verwurzelte Tradition, dass es von Halloween nicht verdrängt wird.”

 

Und in wenigen Tagen ist es wieder so weit. Dann ziehen Kinder mit bunten Laternen singend durch die Straßen. Vorweg reitet der Sankt Martin und teilt am Martinsfeuer seinen roten Mantel mit einem armen Bettler.

 

 

Auf was geht dieser Brauch zurück? Und seit wann gibt es das Fest im Rheinland?

Der heilige Martin wurde im vierten Jahrhundert nach Christus als Sohn eines römischen Offiziers geboren. Im Alter von 15 Jahren wurde er Soldat. An einem kalten Wintertag begegnete ihm ein Bettler, mit dem er seinen Mantel teilte. Im Traum erschien dem heiligen Martin Jesus, der die Tat so deutete, als habe Martin den Mantel mit ihm selbst geteilt. Nach seiner Entlassung aus der Armee ließ sich Martin zum Priester weihen. Nach zehn Jahren im Kloster wurde er zum Bischof von Tours gewählt. Am 8. November 397 starb Martin. Drei Tage später wurde er in seiner Bischofstadt beigesetzt.

 

“Der Kinderbrauch des 20. Jahrhunderts greift vorwiegend die Lebensgeschichte des Heiligen mit der Mantelteilungsszene auf und sieht in dem Heiligen das christliche Vorbild”, erklärt Döring.

 

Zu den ältesten Traditionen gehört das Martinsfeuer. Schon im 19. Jahrhundert entzündeten die Kinder ein Feuer. Allerdings ohne die Aufsicht der Erwachsenen. Häufig kam es darum zu Schlägereien. Ein Ereignis, das in manchen Martinsversen Eingang fand. Am Mittelrhein sangen die Kinder etwa: “Zant Merten, Zant Merten, dann schlon se sich mit Gerten. Schlon se sich mit Axe, dat se quackse.” “Bei der Entzündung des Martinsfeuers ging es derb zu”, berichtet Döring. “Rivalisierende Gruppen versuchten wechselseitig, die Holzstöße der anderen vorzeitig anzuzünden.” Erst in den 1890er Jahren wurde das Martinsfest durch die Erwachsenen reglementiert.

 

Die Lichtsymbolik des Martinsfestes spiegelt sich nicht nur in den Feuern wider.

 

Ab dem 19. Jahrhundert gehörte das “Gabenheischen” der Kinder und Jugendlichen zum Martinsfest. In der Dunkelheit zogen Kinder mit Fackeln von Haus zu Haus, um Martinslieder zu singen und dafür mit Früchten belohnt zu werden. In den Kreisen Viersen, Krefeld und Mönchengladbach gehörte auch das “Kuchen-Stehlen” dazu. Hausfrauen ließen noch bis Mitte der 1930er Jahre ihr Küchenfenster offen stehen, damit die Kinder an die Buchweizenpfannkuchen kamen, die dorthin gestellt wurden. Im frühen 20. Jahrhundert begannen die Kinder, Papierlampions zu basteln. Aber auch geschnitzte Kürbisse und Zuckerrüben, in denen Kerzen standen, waren beliebt und sind es auch heute wieder.

 

Mit ihren Laternen gehen die Kinder heute im Köln-Bonner Raum und an der Ahr nach dem Martinszug “schnörzen”. Am Niederrhein gehen sie “grippschen”. In Bad Honnef gehen sie schon Wochen vor dem Martinsfest “dotzen”. Sie singen Martinslieder und erbitten Geld, Obst oder Süßigkeiten. Und auch wenn wenige Tage vorher Halloween für gruselige Atmosphäre sorgt, ist und bleibt Sankt Martin das Fest der Kinder.

 

Quelle: Alois Döring: Rheinische Bräuche durch das Jahr

 


 

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